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Franziskus | ein Kettenbrief-Brot

Vor einigen Wochen hat meine Freundin Anna mich gefragt, ob ich mich noch an Hermann erinnere. Das soll ein Kuchen im Stile eines Kettenbriefs sein. Man bekommt einen Teig von jemandem, backt einen Kuchen daraus und gibt einen Teil des Teiges an den nächsten Weiter.
Gestern habe ich einen Anruf von meiner Freundin Lydia bekommen und gefragt ob ich Lust auf einen Teig für Franziskusbrot im Stile Hermann habe. Zum Glück habe ich gerade gelernt was ein Hermann ist, Und da ich diese Kettenbackerei zu meiner Schulzeit scheinbar verpasst habe, hatte ich großes Interesse an diesem Franziskusbrot.

Am nächsten Tag habe ich mir den Teig abgeholt und per Whatsapp ein Foto erhalten. Auf dem Foto ist ein mit Fettflecken versehener, knittriger Zettel zu sehen, der Backinstruktionen enthält.
Diese lauten wie folgt (keine Gewähr für eleganten Satzbau):

Franziskusbrot
(Ursprung Argentinien)

Dieses Brot bringt Glück für die ganze Familie. 
Demjenigen, der es bäckt, wird ein Wunsch erfüllt. 
Nur einmal im Leben darfst du es backen.

Am Montag musst du damit anfangen. Wichtig ist, dass der Sauerteig nicht in den Kühlschrank gestellt wird. 
Den Teig in einen großen Kunststoff- oder Glasbehälter leeren und mit einem Tuch zudecken. 
Nie mit Metallbesteck oder mit der Hand umrühren.   Holzkelle 

Montag: 250g Zucker zugeben, nicht umrühren!!!
Dienstag: 250ml kalte Milch zugeben, nicht umrühren!!!
Mittwoch: 250g Mehl zugeben, nicht umrühren!!!
Donnerstag: jetzt darfst du mit einer Holzkelle umrühren.
Freitag: Gib 250g Zucker, 250ml kalte Milch und 250g Mehl dazu. Rühre um und teile den Teig in vier Portionen. 
Verschenke drei Teile weiter. 
Samstag: Zu deinem Teig gibst du 250g Mehl, 1 Pack Backpulver, 3 Eier, 1 Pack Vanillezucker, 1 EL gemahlene Nüsse, 150ml Öl,
(UND 1/2 TL Zimt) dazu. 

Rosinen, Schokoladenflocken oder Äpfel (wie man möchte) dazugeben. Springform oder Cakeform mit Backpapier auslegen, den Teig in die Form geben bei 180°C 30-40 Minuten backen. 

Ich habe mich nicht ganz an den vorgegebenen Ablauf gehalten, sondern alle Schritte etwas beschleunigt, da wir am Wochenende nicht zu Hause sind.
Im Umgang mit Sauerteig bin ich zwar noch lang kein Profi, aber ich meine dem Teig angesehen zu haben wann der nächste Schritt anstand. Heute früh begann sich der Teig, nach wunderbarem Aufgehen über Nacht, wieder zu Senken. Also habe ich die restlichen Zutaten in den Teig gerührt und ihn zum Franziskusbrot gebacken.
Damit meiner Familie Glück widerfahren und mir ein Wunsch in Erfüllung gehen würde, hätte ich meinen Teig aufteilen und 3 Portionen davon weitergeben müssen. Dies ist ein weiterer Punkt, den ich nicht befolgt habe. Stattdessen habe ich alle Teige selber zu Ende gebacken. Der erste Kuchen bekam keine weitere besondere Zutat, der zweite aber bekam Mandelstifte, der dritte Schokoladenstückchen und der vierte Rosinen. Nach 2 Stunden war meine Küche ein Schlachtfeld und ich musste mir überlegen was ich mit 4 großen Kuchen machen würde.
Einen habe ich im Ganzen verschenkt, die anderen habe ich scheibchenweise zusammengestellt und in Papiertüten verpackt. In den nächsten Tagen werde ich diese Tütchen an Nachbarn und Freunde verschenken. Endlich kommen durch die Verpackerei meine ganzen neuen Tütchen, Bindfaden, Etiketten, Stempel usw. zum Einsatz. Was von den Kuchen heute noch übrig geblieben ist habe ich sorgfältig verstaut. Denn wenn sich etwas ‚kuchiges‘ in meinem Blickfeld befindet, nasche ich im Vorbeigehen ständig davon. Dies gilt es zu verhindern.
Geschmacklich ist das Franziskusbrot nichts herausragend köstliches. Trotzdem macht es Spaß einen Teig als Kettenbrief zu bekommen, ihn über Tage zu Füttern und ihn zum Abschluss der Woche in einen Kuchen zu verwandeln. Außerdem habe ich zu meiner Schulzeit keinen Hermann gehabt und freue mich nun dies nachgeholt zu haben.

 

Geschenke
Backinstruktionen
250g Zucker
250ml Milch
250g Mehl
umrühren
Der Teig ist bereit
erstes Brot
mit Schokolade
Vier Sorten. Ganz schön viel Brot!!
erstes Brot

Oliver und Zedrick | Projekt Grünzeug

 – Pflanzen am Leben erhalten – 

Ich war nie gut mit Pflanzen. Dieses Problem haben scheinbar viele. Topfpflanzen sind bei mir immer verdurstet. Ich habe mir sogar mal einen Kaktus gekauft. Der hat aber auch nicht lange überlebt, denn er ist ertrunken.
So langsam bekomme ich es aber hin. Ausschlaggebend für meine Motivation das Projekt Grünzeug anzugehen war Oliver. Oliver ist ein kleiner Olivenbaum, den mein Herzi mal mitgebracht hat. Oliver ist fast gestorben. Seine Blätter sind ganz knusprig geworden, dann ausgefallen und dann stand er nur noch da wie ein Skelett. Ich war auch sehr traurig darüber, aber keiner von uns beiden hat sich um ihn gekümmert. Ein Freund hat sogar Interesse an Olivers Skelett geäußert. Er sagte bevor wir ihn entsorgen würde er Olivers Wurzeln von Erde befreien und daraus etwas cooles, dekoratives basteln. Wir waren schon so weit ihm Oliver zu überlassen, bis meine Mama zu Besuch kam und lebenserhaltende Maßnahmen ergriff. Trotz seiner mausetoten Optik war scheinbar noch ein letzter Rest Leben in Oliver. Wir haben alles Überflüssige abgeschnitten und von jenem Moment an habe ich ihn jeden Tag gegossen. Oliver steht bei uns auf dem Südbalkon (oooh, jaa, wir haben auch einen Nordbalkon) und da dieser Sommer ein paar warme Wochen hatte, war das tägliche Gießen auch bitter nötig.

Und dann passierte ein halbes Wunder..

Oliver hat sofort wieder kleine grüne Triebe entwickelt und strotzte nach mehreren Wochen Pflege nur so vor Leben! Er hat sich wieder komplett erholt und sieht jetzt noch viel voller aus als bei seinem Kauf. Das liegt daran, dass überall dort, wo wir an ihm herumgeschnitten haben, ein bis zwei neue Zweige wachsen konnten. Das ist ziemlich beeindruckend. Fast wäre aus ihm Skelett-Kunst geworden, stattdessen stieg er aus der Asche empor wie ein Phönix.

Irgendwann wurde ich etwas selbstbewusster im Umgang mit Oliver, sodass ich ihm einen kleinen Freund gekauft habe. Zedrick. Zedrick ist eine Zitrone. Letztes Wochenende habe ich sogar beide jeweils in einen größeren Topf umgetopft. Sowas habe ich mein ganzes Leben noch nicht gemacht. Zwar konnte ich öfter aus weiter Ferne beobachten wie meine Mutter das mit ihren Pflanzen gemacht hat, aber mein Job war es immer Unkraut zu zupfen und das war langweilig.

Oliver und Zedrick werden zukünftig noch mehr Gesellschaft bekommen. Ich habe jetzt auch eine Gießkanne. Vorher haben Oliver und Zedrick immer Wasser aus einem Glas oder einer Flasche bekommen.
Scheinbar sieht man auch von außen, dass unser ehemals karger Balkon nun belebter ist, denn gestern hat mich doch tatsächlich eine Nachbarin gefragt, ob ich auf ihre Blumen aufpassen würde während sie im Urlaub ist. Innerlich ist meine Brust ziemlich angeschwollen, äußerlich habe ich superlässig ‚Na klar!‘ gesagt.

 

Wir backen unser Brot selbst

Wir backen unser eigenes Brot. Angestoßen wurde dies durch eine Dokumentation auf Netflix: COOKED.
Ich werde jetzt nicht zu viel darüber schreiben worum es in der Doku geht. Zusammenfassend kann man sagen, dass sie dazu einlädt sich mehr Gedanken über die Qualität der Lebensmittel zu machen und darüber womit man seinen Körper ernähren möchte. Man schaue sich den Trailer an.

Extreme Ernährungstypen, die zur Zeit ja ziemlich hipp, trendy, fetzig und peppig sind, schrecken mich komplett ab, da die Menschen, die sie ausführen, auffällig oft den Drang haben sich für etwas Besseres zu halten und einen direkt bekehren wollen. Ja, ich weiß, dass viele Dinge ungesund sind, aber wenn ich Lust auf Nutella mit dem Löffel oder eine Tüte Salzbrezeln habe, dann esse ich das auch.

Die Dokumentation geht für mich das Thema Ernährung auf eine sehr angenehme Art heran. Sie sagt nicht, dass Fleisch essen schlimm und schrecklich ist, sondern sie sagt, dass man ruhig Fleisch essen kann. Man soll nur überlegen, ob es einem egal ist wo sein Fleisch herkommt, oder ob man sich Gedanken über das Leben der Tiere macht und sein Fleisch z.B. auch bei einem Bio-Bauern für etwas mehr Geld kaufen kann.

BLA… jeder weiß, was ich meine. Es geht um Respekt vor den Tieren und vor dem eigenen Körper.
Ich habe dieses Thema jedenfalls oft im Hinterkopf, konnte aber bisher McDonalds auf Autofahrten auch nicht widerstehen. Nachdem ich alle Folgen von COOKED gesehen habe, habe ich mir vorgenommen dieses Thema erst zu nehmen. Ich habe jetzt ein Kind und ich möchte ein gutes Vorbild sein.

Aber eigentlich geht es ja um Brot. Was für das Fleisch gilt, gilt auch für alle anderen Lebensmittel. Industriell gefertigtes Brot hat viele, viele Zutaten. Traditionelles Brot hat 3. Mehl, Wasser, Salz. Und Zeit. Also 4 Zutaten.

Mir war nicht bewusst, dass man ohne Hefe Brot backen kann. Aber Hefe ist eigentlich nur ein konzentriertes Triebmittel für den Teig, damit das Brotbacken nicht so lang dauert. Vor ein paar Wochen habe ich die Folge „Luft“ von COOKED gesehen, in der es ausschließlich um Brot geht. Danach habe ich mich im Internet informiert und sofort meinen ersten Sauerteigstarter angesetzt. 50/50 Mehl und Wasser und einen warmen Ort zum Ruhen braucht man. Jede weitere Zugabe von Mehl und Wasser muss etwa 24 Stunden warten. Das über 4 Tage, dann hat man einen Sauerteig, mit dem man ein luftiges Brot backen kann. Der Prozess, der dies ermöglicht nennt sich Fermentation oder Fermentierung.

Ich habe jetzt leider kein Rezept, da sich das Backen mit Sauerteig noch wie eine Wissenschaft anfühlt. Außerdem muss ich sagen, dass ich nach meinem ersten Versuch sehr froh war mein Herzi angesteckt zu haben. Er backt seit dem die Brote. Ich bin in der süßen Ecke geblieben. Das erste Brot war ehrlicherweise kein bisschen luftig. Wir haben es trotzdem gegessen. Aber nur in kleinen Scheiben, da man sofort satt war. Heute kam das 5. Brot aus dem Ofen und es kommt optisch absolut an gekaufte Brote heran. Geschmacklich lässt es abgepackte Graubrote schon meilenweit hinter sich. Wenn ein Brot so viel Vorbereitungszeit benötigt, isst man es auf eine viel bewusstere Weise, denn man hat ja über mehrere Stunden eine Bindung aufbauen können. 🙂

Nicht jedes Brot braucht 4 Tage Vorbereitung. Sobald man ein erstes Brot gebacken hat, hat man hoffentlich vom Sauerteig einen Teil weggenommen und diesen in den Kühlschrank gestellt. Möchte man sein nächstes Brot backen, ‚füttert‘ man am Abend vorher die Sauerteigkultur aus dem Kühlschrank und kann am nächsten Tag backen. Man muss nur daran denken vom neuen Sauerteig wieder etwas für den nächsten abzunehmen. Mit jedem Mal Backen wird die Sauerteigkultur also besser und besser. Manche Bäcker haben Sauerteigkulturen die mehrere Jahrzehnte alt sind, habe ich gelesen. Verrückt.
So eine Kultur kann man sich auch ohne ständiges Backen, wie ein kleines Haustier im Kühlschrank halten, solange man sie nach einigen Tagen wieder mit Mehl anfüttert und somit am Leben erhält. Im Internet finden sich viele Rezepte und viele verschiedene Herangehensweisen ein Brot mit Sauerteig zu backen, deswegen halte ich mich elegant mit einem eigenen Rezept zurück.

Gleich setzen wir uns auf den Balkon und essen eine dicke Scheibe Brot mit Kräuterbutter und dazu gekochte Maiskolben. Ich freue mich, dass mein Herzi nun dem Job des Brotbackens mit Freude nachgeht und beschränke mich darauf dabeizustehen und Tipps in den Raum zu schmeißen. Wir verwenden normales Leitungswasser und Bio-Vollkorn-Alnatura-Mehl. Roggen, Weizen, Dinkel, alles ganz wild gemischt. Im letzten war auch Lauch aus der grünen Kiste drin.

Ich kann nur empfehlen es auch mal auszuprobieren und nicht direkt nach dem ersten Brot aufzugeben, wenn es nichts wird. Aber wenn man keinen Spaß am Backen hat, dann gibt es eigentlich auch genug Bäcker, die ausschließlich Sauerteigbrote backen.

Das war das Wort zum Mittwoch.
Bis bald. Dann gibts wieder Kuchen oder Cupcakes.

Der Brotteig geht ein letztes Mal im Gärkorb
Fertig. Frisch aus dem Ofen
Schnitt durch die Mitte